• Leah Hasjak

Das Paket


Das Paket

Als ich auf „Bestellen“ klickte, kicherte ich mir ins Fäustchen. Ich hatte das perfekte Geschenk für die perfekte Freundin. Nicht irgendein Geschenk, nein, DAS GESCHENK. Sobald sie es auspacken würde, würde sie kreischen und mir um den Hals fallen. Unter Garantie. Und sie rechnet nicht einmal damit, weil ich allgemein als verpeilt und einfallslos – was Geschenke anbetrifft – gelte. Doch nicht diesmal. Nicht an ihrem dreißigsten Geburtstag. Nein, ich, ich allein würde das perfekte Geschenk haben! In sechs Tagen sollte es kommen. Sehr gut, drei Tage vor der Feier. Genug Zeit, um das perfekte Geschenk auch noch perfekt zu verpacken.


Mittwoch, zwischen 11-14 Uhr. Planmäßig. Stand in der Mail. Zum Glück hatte ich an dem Tag frei, putze die Wohnung, spülte das Messer, ärgerte mich über die Katze, wartete. 14 Uhr und kein Paket. Seltsam. Ich sah aus dem Fenster, sah den gelben Wagen vorbeiziehen. Er hielt nicht bei mir. Rasch warf ich einen Blick auf den Status der Lieferung. Nichts Neues. Lieferzeit heute zwischen 11-14 Uhr. Würde noch ein Wagen kommen?

Na gut, dachte ich mir, das wird schon noch und machte mich an die Wäsche. Um 18 Uhr sah ich ungeduldig auf mein Handy, checkte die Lieferverfolgung zum zehnten Mal. Status: Zugestellt um 13:48. Was zum Kuckuck? Bei wem? Bei mir ganz sicher nicht. Wo war mein Paket? Ich ging hinunter zum Nachbar. Nein, er hatte mein Paket nicht. Verdammt. Ich ging zum Kiosk, der zweite Anlaufpunkt für die Pakete in unserer Gegend. Nein, auch da kein Paket für mich.

Ich rief die Hotline an.

Tut mir leid, hieß es, aus dem System ging hervor, ich hätte das Paket angenommen. Hätte ich gern, hatte ich aber nicht. Man konnte mir jetzt auf die Schnelle nicht weiterhelfen, ich musste ein Antragsformular ausfüllen.

Wie lange würde es dauern, bis man mein Paket fand? Nun, sagte man mir, wenn ich es nicht zufälligerweise doch noch in meiner Wohnung aufbewahre, dann höchstens eine Woche. Ich hatte keine Woche. Die Party war schon am Samstag. Tut mir leid, sagte man, wir können nichts tun. Ich müsste es halt nochmal bestellen und das erste einfach zurückschicken.

Bla.


Samstag. Das Paket war bei mir und war es gleichzeitig nicht. Wie Schrödingers Katze. Tot und lebendig zu gleich. Sagte das System.

Ich stand mit einem Blumenstrauß und Pralinen vor der Tür und wartete, dass man mir öffnete. Die Tür ging auf, ich wurde fröhlich und herzlich begrüßt, überreichte meine Gaben und sagte: „Dein richtiges Geschenk ist auf den Weg. Die Post hat geschlampt.“ „Ja, klar. Mach dir kein Stress. Du bist mein Geschenk“, kam es mit einem kleinen Zwinkern zurück. Keiner rechnete bei mir mit einem coolen Geschenk. Typisch ich halt. Schenken war nicht mein Ding, hieß es.

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