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Süchtig nach Liebe - Der Mann im Fokus des Liebesromans

  • Autorenbild: Leah Hasjak
    Leah Hasjak
  • 29. März
  • 20 Min. Lesezeit

(Servus Leute, ich spreche heute ein delikates Thema an, dass vielleicht Einigen auf den Magen schlägt oder den einen oder anderen ratlos zurücklässt. Das lässt sich nicht vermeiden und ich sage gleich vorweg, dass das nicht persönlich ist, und ich mich um so viel Objektivität wie möglich bemühe. Unter anderem, weil ich Autorin und Leserin von Liebesromanen bin und meine Thesen deshalb von beiden Seiten beleuchten kann. Ich kritisiere das Genre, mit dem ich meine Brötchen verdiene. Also wenn einer von euch mir die nächste halbe Stunde übelnimmt, dann bitte im Bewusstsein dessen, dass auch ich mich in die Kritik mit einbeziehe und über etwas spreche, dass ich sehr wohl erfasse, begreife und zu meinem Vorteil anwende.)


Platons Kritik an den Künsten, und die Kritik am Roman im 18. Jahrhundert.


Bevor wir darüber reden können, warum in populärer Liebesliteratur männliche Protagonisten immer mehr an Raum und Bedeutung gewinnen, müssen wir ein paar wichtige Eckpfeiler besprechen, die meine Theorie untermauern sollen. Dabei hole ich mir Hilfe von niemand geringeren als Platon, der in der Antike bereits Kritik an der Literatur seiner Zeit (also Homer und den Dramen) übte. Er kritisierte die Mimesis der Ideen, Konkret also die Nachahmung von Gefühlen und Werten, die die Kunst reproduzierte und die Bürger damit beeinflusste. Platon meint damit Gerechtigkeit, Heldentum, Wahrheit, aber auch Lügen, Verrat und Hass. Er war der Meinung, dass eine Geschichte, wenn sie falsch erzählt wird und auf unreife Ohren trifft, Schaden anrichten könnte. Denn eine Geschichte kopiert die Idee eines Gefühls, zum Beispiel Tapferkeit, und manipuliert den Zuhörer durch die Präsentation. Die Manipulation funktioniert in beide Richtungen, also zum Guten und zum Schlechten.

Doch nicht nur Platon warnte vor Literatur, die die Sinne vernebeln könnte und Menschen auf falsche Gedanken bringen würde, weil sie sich in der Nachahmung der Realität üben würde, sondern auch ein kantianischer Philosoph mit dem Namen Johann Adam Bergk. Der sagte 1799 zu einem aufkommenden Literaturtrend, den wir heutzutage „Romane“ nennen, folgendes:


„Aus geschmack- und gedankenloser Lektüre" folge "unsinnige Verschwendung, unüberwindliche Scheu vor jeder Anstrengung, grenzenloser Hang zum Luxus, Unterdrückung der Stimme des Gewissens, Lebensüberdruss und ein früher Tod". Man gab dem Problem die Bezeichnung Lesesucht und definierte diese Sucht 1809 folgendermaßen: "Lesesucht, die Sucht d. h. die unmäßige, ungeregelte und auf Kosten anderer nöthiger Beschäftigungen befriedigte Begierde zu lesen, sich durch Bücherlesen zu vergnügen.“

Lesen macht süchtig und führt in den Tod, so die Meinung der Kritiker, die den Durchbruch des Romans als feste Größe der Literatur zu ihren Lebzeiten beobachten konnten. Besonders, so sagten sie, schlüge lesen Frauen auf das Gemüt, weil sie, wenn die Romane lasen, allem anderem Gegenüber Gleichgültigkeit verspürten und so alles vernachlässigen würden, auch den Haushalt. Natürlich schütteln wir moderne Menschen darüber den Kopf und denken uns, was waren das denn für Deppen, Romane sind grandios und eine Welt ohne Romane, wäre keine lebenswerte. Und ja, ich würde den Kopf mitschütteln, wenn da nicht dieses eine Buch wäre:

Dieses Buch von Goethe. Ihr wisst schon „Die Leiden des jungen Werther“, Ein Briefroman in Ich-Form geschrieben und meiner Meinung nach übertrieben emotional und dämlich. Dieses Buch führte tatsächlich im 18. Jahrhundert zu einer Suizidwelle unter jungen Menschen. Unteranderem beging eine Siebzehnjährige Bekannte von Goethe beging mit diesem Buch in der Hand Selbstmord, was den Autor dazu brachte, seinen Werther zu überarbeiten und sich von ihm etwas zu distanzieren. Also, ein Buch mit übertrieben Sturm und Drang-Element löste bei jungen Menschen eine Suizidwelle aus. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. So viel zur Albernheit der Kritik, Bücher würden zum Tode führen. Behaltet das mal im Hinterkopf, denn ich muss nun das Thema wechseln und mit euch über Kunst reden.

 

Was Kunst leisten muss.

Aber nicht über die Definition von Kunst, was Kunst ist und was nicht. Dafür gibt es Universitätsseminare, die daran bereits zu Genüge scheitern. Reden wir stattdessen über das, was Kunst leisten muss. Kunst sollte im Idealfall bei uns zwei Dinge bewirken. Sie muss uns über die Welt nachdenken lassen und sie muss uns die Welt fühlen lassen.

Je mehr ein Kunstobjekt, sei es ein Buch, ein Bild, ein Film, die Waage nur in die eine Richtung kippt, also in Richtung des Denkens zum Beispiel, desto trockener, unaufgeregte und fade kann Kunst werden, bis sie zu einem Sachbuch wird, eine langweilige Momentaufnahme oder Dokumentation.

Kippt die Waage zu sehr in Richtung Emotion, dann wird aus einem Buch ein Schundroman, aus dem Bild Kitsch und aus dem Film das Traumschiff. Also, ist Kunst zu kopflastig, dann wird sie trocken und langweilig, ist sie mit zu viel Emotionen aufgeladen, dann wird sie banal und peinlich. Ein Meisterwerk weiß eine Balance zu halten. Gute Kunst lässt ihren Leser, Zuhörer oder Betrachter Denken, bereichert ihn mit Wissen, Erfahrung und Erkenntnis, während sie zugleich ihn berührt und seinem menschlichen Sein näher kommen lässt.

Und würden wir alle Kunst solcher Art produzieren, dann würde es von meiner Seite aus keine Kritik geben. Doch die Kulturindustrie interessiert sich nicht für Kunst. Die Kulturindustrie interessiert sich für Geld. Und weil man mit Menschen, die süchtig nach etwas sind, super viel Geld machen kann, legen das Verlagswesen und Selfpublisher den Kunstschalter komplett auf Emotion. Den Emotionen machen süchtig. Wie Zucker. Autoren, wie auch ich eine bin, füttern Leser mit purem Zucker. Und weil Zucker nicht satt macht, kaufen Menschen noch mehr Zucker, bis sie nicht mehr ohne Zucker leben können.

Wäre der Denkaspekt von Kunst Gemüse, wie Karotten und Brokkoli, so ist der Emotionale Aspekt der Kunst, Schokolade und Kekse. Das Problem jedoch an Schokolade und Kekse ist, dass, wenn man sich nur davon ernährt, man davon sehr schnell krank wird. Zuckerkrank. Geistige Diabetes würde ich das nennen. Und nun sind wir auch schon bei meinem heutigen Thema: „Warum sind die Männer in Liebesromanen der zentrale Kern der Erzählung und wichtiger und interessanter als die Protagonistinnen. Lehnt euch zurück, wir werden große Bögen spannen müssen.


Der Mann im Fokus.

Mara Laue berichtet in einem online zugänglichen Artikel in der Autorenwelt über ein schräges Erlebnis mit einem Verlag, dass ihr nahelegte, die Heldin ihres Romans nicht zu „selbstständig“ zu machen. Der Verlag schrieb ihr, damit das Buch bei Frauen besser ankommt, folgendes als Ratschlag:


„Ihre Heldin ist zu selbstständig. Das mögen die Leserinnen nicht.“  Und weiter hieß es vom Verlag aus: „Der Held ist die Hauptperson. Er ist ein Bad Boy mit einem tollen Körper und sexy Aussehen, in den die Heldin sich verliebt. Er soll einen Hang zum Kleinkriminellen haben, Dominanz zeigen, aber das Herz auf dem rechten Fleck haben. Die Heldin darf in keinem Bereich besser sein als der Held und ihn auf gar keinen Fall jemals übertrumpfen. Sie hat sich ihm unterzuordnen und darf niemals auf Gleichberechtigung bestehen. Das empfinden die Leserinnen als zickig. Sie soll ihm grundsätzlich zustimmen und im Fall von Differenzen auf keinen Fall recht haben oder auf ihrem Recht bestehen, sondern sich von ihm überzeugen lassen und nachgeben. Sie muss den Helden brauchen, niemals er sie.“


So die Vorgaben des Verlages, der sein Buch-Sortiment nach den Wünschen der Leserinnen richtet. Ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand in diesem Verlag so ein Buch als Lesenswert erachtet, ich gehe aber davon aus, dass so ein Buch sich unglaublich gut verkauft. Und weil sich so etwas frauenfeindliches und absurdes gut verkauft, fordern Verlage das auch ein.

Sie wollen Geld verdienen. Und zwar, in dem sie Männer zum Mittelpunkt des modernen Liebesromans machen.

Das war nicht immer so. Wer sich mit Klassikern der Liebesliteratur auskennt, hat sicher auch schon beobachtet, dass der Deuteragonist, also der zweit wichtigste Charakter in einem Buch, nicht sonderlich oft in der Geschichte vorkommt. Mr. Darcy glänzt meist durch Abwesenheit. Mr. Rocherster in Jane Ayre füllt kein Drittel des Buches, Rhett Butler ist nicht mal ein Viertel des Films zusehen, der Fokus bei „Vom Winde verweht“ liegt gänzlich auf Scarlett und auf ihr allein. In New Orleans von Alexandra Ripley, in einem meiner Lieblings Südstaaten Romane, kommt der Mann fast gar nicht vor. Der Mann ist rarer als rosa Diamant. Warum das früher so war, hatte zwei Gründe:

1. Die meisten Liebesromane waren auch Entwicklungsromane. Die bürgerlichen Frauenfiguren machten eine Entwicklung durch, die sie dann ermächtigte, mit der Person zusammenzukommen, mit der sie ein Happy End erleben durften. Vorher konnte dieses Happy End gar nicht eintreten. Weil diese Entwicklung notwendig war, verbrachten die Leser viel Zeit mit der Protagonistin und ihrer Umgebung. Das Liebesobjekt, der Mann also, war mehr eine Belohnung für die richtige Entscheidung – eine zusätzliche Bestätigung, dass man Glück finden kann, wenn man an sich arbeitet oder Fehler einsieht und sich bessern will.

Der zweite Grund, warum sich der Mann der Stunde in klassischen Liebesromanen im Hintergrund hält. War Schmachten. Es schmachtet sich einfach besser aus der Ferne. Und je länger das Schmachten und die Distanz zur Figur anhält, desto spannender und zucker-süßer ist es, wenn die Figuren sich bekommen. Man kann, wenn man beide Protagonisten lange auf Distanz zu einander hält, mehr Spannung über lange Strecken im Buch aufbauen. Wenn ein Paar sich jedoch nach zwei Kapitel die ewige Liebe schwört, ist die Geschichte eigentlich schon zu 99% vorbei und man muss als Autor künstliche Probleme hinzurühren, damit der Leser bei der Stange bleibt. Ich schweife ab, denn darum geht es nicht. Es geht ja um den Mangel an den Protagonistinnen in ihren eignen Romanen und den Fokus der Geschichten auf das Objekt der Begierde, dem Mann.


Manipulationstechniken moderner Literatur.

Den Mann so lange wie möglich aus dem Bild zu halten, um die Leserin an der Stange zu halten, ist eine Manipulationstechnik der alten Schule. Moderne Liebesliteratur bedient sich anderer Mittel, um dafür zu sorgen, dass ein Buch angelesen und dann zu Ende gelesen werden kann. Hier ein paar Methoden, die später wichtig sein werden, wenn ich anfange, über die Sucht zu Reden.

Um die Leserinnen in richtige Stimmung zu versetzen, bemüht man sich um gewisse Tropes, die mittlerweile so Standard sind, dass man sich Heldinnen eines Buches nicht anders denken kann. „Die Frau als Opfer“ ist eins davon. Frauen agieren in der Liebesliteratur aus einer Position der Unterdrückung heraus. Um glücklich zu werden, muss sie gerettet werden. Wenn nicht das, dann gibt es noch die Umkehrung des Tropes, nämlich die „Widerspenstige Zähmung“, wo das Missverhältnis der Frau zu einer vermeintlich unterdrückenden Gesellschaft, also sie ist kein Opfer, durch einen Mann geradegerügt wird. Der Mann zähmt die Frau, bis sie sich unterordnet und so glücklich wird.

Da viele von uns mit der japanischen Kultur, vermittelt durch Manga und Anime, aufgewachsen sind, fand das „Kawaii“-Phänomen Einzug in die westliche Literatur. Kawaii bedeutet kindliches Verhalten, niedlich sein oder süß sein. Das äußert sich auch in Romanen, wenn erwachsene Frauen Lippenbeißen, permanent erröten, leise oder schüchtern sprechen, Augen niederschlagen und kichern. Diese typischen Tropes in Mangas werden nun auf die „reale“ Literaturwelt übertragen, in denen Frauen mit Mitte zwanzig sich wie Anime-Mädchen verhalten. Was nur für Außenstehende befremdlich wirkt, also Leser über 40. Für alle anderen ergibt sich der Widerspruch nicht, da sie ihn aus anderen Medien kennen.

Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Das Frauen in Führungspositionen sich plötzlich wie 12 verhalten, ist für viele normal und erwünscht. Je schwächer die Frau, desto stärker kann der Mann daherkommen. Diese Diskrepanz zwischen den Geschlechtern wird bewusst eingesetzt.

Die größte Manipulation moderne Liebesliteratur findet jedoch in der Aushöhlung der Protagonistin statt. Wie schon zitiert, wollen Leserinnen keine selbstständige Hauptfigur, die die Handlung vorantreibt. Ich weiß, ich nerve euch sicher schon damit, doch Anastasia Steel und Bella Swan sind der Prototyp moderner Protagonistinnen. Sie haben kein Charakterprofil, sie haben keine richtigen Hobbies, die wir miterleben (die Hobbies werden nur angedeutet), sie haben keine Ambitionen, keine politische Haltung und sind auf den Mann in ihrem Leben krankhaft fixiert. Dass das so ist, und dass das gut so ist, wie es ist, liegt daran, dass sie Platzhalter sind. Und zwar für die Leserinnen. Wären sie markanter und eigenwilliger, könnten viele Frauen, die das Gleiche wollen, sich nicht mit ihnen identifizieren und das würde das Leseerlebnis abschwächen.

Und was wollen Frauen? Frauen wollen Geld, Macht und Sex. Deswegen sind die meisten Liebesromane, seien sie Dark Romance, Soft Romance, Arztroman oder Militärliebesroman, oft eine Kombination von mindestens zwei dieser Wünsche. Das Objekt, mit dem Macht, Sex und Geld daherkommt, ist der Mann. Weil Frauen die drei Dinge begehren, begehren sie auch das, das ihnen das alles ermöglicht.

Nur beim Sex dreht sich das Verhältnis. Anstatt dass das Objekt der Begierde befriedigt wird, wird im Roman plötzlich das Subjekt fokussiert. Die Lust der Frau wird zum Thema Nr.1 in der Geschichte. Ihre Befriedigung wird seitenweise zelebriert. Und das Objekt der Begierde wird gänzlich zum Objekt im Sinne eines Gegenstandes, Männer werden zum Dildo.

Die nächste Manipulation von Verlagen und Autoren ist die Perspektive. Damit der Lesegenuss unendlich gesteigert wird und Leserinnen das bekommen, was sie am liebsten in Romanen lesen, werden bestimmte Szenen zweifach erzählt. Aus jeder Perspektive einmal. Wir erfahren, was die Protagonistin denkt, und ein Kapitel darauf erfahren wir, was der Protagonist zu den gleichen Sachen gedacht hat. Früher, als alles noch gut war, blieb uns Lesern stets das „Andere“ verborgen. Mr. Darcy, war und bleibt für uns ein Mysterium. Nur durch seinen Brief an Lizzy wissen wird, was ungefähr in ihm die ganze Zeit über passiert ist. Und das ist auch nur das, was er ihr erlaubt zu wissen. Der Mann ist ein großes Fragezeichen und das ist sexy. Und weil das so sexy ist, schreien Leserinnen danach, dass man doch Darcys Sicht aufschreiben soll und die Verlage und Autoren hören hin und nun bekommen wir Bücher, wo die Geschichte entweder komplett von der anderen Seite erzählt wird, oder wo Szenen sich doppeln, weil beide Seite ihre Sicht darauf offenbaren.

Die perfideste Manipulation, um den Leser an der Stange zu halten, sind jedoch Tabus. Da es heutzutage kaum noch welche gibt, müssen Autoren sich richtig anstrengen und echt krasse Sachen bringen, damit der Tabu-Kick beim Leser richtet zündet. So gibt es mittlerweile Bücher, in denen die Protagonistin die sexuellen Übergriffen ihres Vaters detailreich ausschmückt. Und zwar als Sexy Liebesroman. Es gibt Liebesromane, in denen Frauen entführt werden und vergewaltigt, und sich dann in ihren Entführer unsterblich verlieben, es gibt Romane mit Schülerinnen und verheirateten Lehrern, Romane mit Monstern, nicht nur Sexy-Vampire, sondern Zombies, Mumien und Tiere. Man setzt auf krasse Unterschiede, statt auf Gemeinsamkeiten. Dabei sind nachweislich Gemeinsamkeiten der Garant einer langanhaltenden Liebesbeziehung. Doch das verkauft sich nicht. Schmachten verkauft sich auch nicht mehr. Was sich verkauft ist die Herabwürdigung der Frau und permanente sexuelle Belästigung. Das Frauen das wollen, ist schwer vorzustellen, doch erinnert euch an die zitierten Vorgaben des Verlages. Ein Verlag will Geld verdienen und damit verdienen sie ihr Geld. Sie befriedigen die Wünsche von Leserinnen.

Früher, als Liebesromane Entwicklungsromane waren, in denen die Protagonistin sich entwickelte und veränderte, waren Tabus dieser Art kein Thema, weil der Konflikt interner Natur war. Liebesromane von heute sind ausschließlich Rettungsromane, die Konflikte sind meist extern. Und von wem wird die Protagonisten gerettet? Von der neuen zentralen Figur in der Liebesliteratur, dem Mann.

Warum das so ist, ist einfach zu beantworten und hat was mit Sexismus zu tun. Und zwar einer speziellen Form. Es hat was mit Frauenfeindlichkeit von Frauen zu tun.


„Die andere Frau“ – Der Störfaktor

Frauen, man wird es nicht glauben, sind frauenfeindlich. Ob das wegen Indoktrinierung durch das Patriachat oder auf Grund darwinistischer Auslese und Konkurrenz um die Alpha-Männer ist, keine Ahnung, darüber möchte ich mich nicht auslassen, brache ich auch nicht. Es genügt ein Blick in jene Bücher, die Frauen für Frauen schreiben, um zu dem Schluss zu kommen, dass Frauen Frauen hassen und ihnen alles erdenklich Schlimme wünschen.

Und ich meine nicht den ganzen Jungfrauen-Huren-Unsinn, dieses Slutshaming, das Autoren und Leser betreiben und auch nicht die Tatsache, dass ambitionierte Frauen mit Karrierewunsch als zickig und anstrengend dargestellt werden, nein, ich habe da ein anderes Genre im Blick, das viele nicht mit Frauenfeindlichkeit in Verbindung bringen. Das Gay-Romance-Genre.

Wie sehr einige Leserinnen sich an dem weiblichen Part in einer Liebesgeschichte stören, oder keine Interesse an Frauenschicksalen allgemein haben, merkt man den wachsenden und mittlerweile im Selfpublishing etablierten Gay-Romance-Markt. Das Misstrauen, dass Homosexuelle Leser Leserinnen solcher Literatur entgegenbringen – dazu muss man wissen, dass es hauptsächliche heterosexuelle Frauen mittleren Alters sind, die solche Romane konsumieren oder sogar obsessiv schreiben – ist nicht unbegründet. Ich sage nicht, dass Heterosexuelle Menschen Romane konsumieren sollten, in dem sich eine Frau und ein Mann verlieben und Gay-Romance nur was für schwule Männer ist, das ist nicht der Punkt, mein Punkt ist die auffällige Neigung einiger Frauen Romane zu lesen, in dem gänzlich auf den weiblichen Part verzichtet wird. Man kann dieses Phänomen mit dem Porno-Konsum solcher Männern vergleichen, die nur Lesbenpornos ansehen, weil sie keinen nackten Mann sehen möchten, weil ein solcher Mann sie abturnt.

Die Überflüssigkeit einer aktiven, ausgearbeitet und zielorientiert Protagonistin manifestiert sich jedoch nicht nur in der Vorliebe heterosexuelle Frauen für Gay-Romance. Es gibt ein Liebesgenre, in den alle Frauen als Störfaktor wahrgenommen und gleich aus dem Buch herausgeschrieben werden. Dieses Alpha-Omega-Beta-Genre. Das sind Romane, in denen Frauen nur noch am Rande auftauchen oder gar nicht. Eine Welt, wie der unseren, eine eins zu einer Kopie, keine Dystopie, auf der es keine Frauen gibt, sondern Männer, die schwanger werden können. Gelesen und geschrieben von Frauen für Frauen. Frauen sind von Frauen so genervt, dass sie sie gleich aus der Welt schreiben.

Warum machen Verlage und Selfpublisher das? Warum schreiben sie Bücher, die, würden man Autorinnen und ihre Leserinnen ernstnehmen, sicher einen Aufschrei gegen Sexismus und Gewalt hervorrufen würde? Eine gute Frage, sie hat natürlich etwas mit Geld zu tun und sie hat etwas mit Selfpublishern, wie mir, und der kürzlich stattgefundenen Reformation der Buchbranche zu tun.

 

Selfpublisher, die Reformation der Verlagswelt und die Folgen.

Marx äußerte als Kritik an Luther und der Reformation, dass diese aus Laien Pfaffen gemacht habe. Und normalerweise würde ich sagen, dass # nichts Schlimmes daran ist, dass Laien ihre eigenen Pfaffen sind, sich der Bibel bemächtigen und sie nach ihren Empfinden interpretieren. Doch wenn man bedenkt, was Wanderprediger und verrückte Charismatiker aus einigen Passagen so alles an Irrsinn herausdeuten können, wird die Kritik an Luther und der Reformation greifbarer. Das gleiche gilt auch für die Kritik an Selfpublishing. Selfpublischen ist etwas, wovon ich profitiere und lebe, deswegen weiß ich auch, was ich kritisiere. Verlage haben früher nicht alles verlegt und kleine Meisterwerke übersehen oder nicht publiziert, sei es aus politischen Gründen oder aus wirtschaftlicherer Abwägung.

Sie haben, wie die Katholische Kirche zwischen Gott und Gläubigen, als Vermittler zwischen Autor und Leser fungiert. Und nicht immer im Interesse von beiden. Gut, dass das nicht mehr so ist – gut für mich – schlecht, dass das nicht mehr so ist, für die Qualität der Branche. Und ich meine jetzt nicht wegen Grammatik oder Rechtschreibung. Ich meine die Tabus, die keine mehr sind, weil Laien-Autoren mit ihrer sexuellen Fantasie, die sie früher nur in Fanfiction-Foren ausleben konnten, nun ein Millionenpublikum erreichen. Wo zuvor ein Verlag und viele Meinungen darüber diskutierten, ob es eine gute Idee ist ein Buch zu veröffentlichen, in dem ein Teenager von einem Mann entführt, im Wald festgehalten wird und dort, nun, ich gehe nicht ins Detail,…also, ob das nicht besser ein Thriller sein sollte, anstatt ein romantischer Jugendliebesroman mit verträumten Cover, also, wo zuvor Menschen über moralische Vertretbarkeit diskutiert haben, kommt nun ein einzelner Autor um die Ecke und veröffentlicht so ein Buch unter Jugendliteratur. Mit expliziten Sexszenen. Ob das gut ist? Ich weiß nicht…

Leute machen aus ihren sexuellen Fantasien, die ihnen gegönnt sind und die sie haben dürfen, viel Geld. Liebesromane mit Dominanz, Entführung, Zwangsehen, Vergewaltigung überfluten den Markt. Je mehr eine Autorin ihr Innerste Lust mit fiktiven, reichen Männern und Bossen verflechtet, je mehr Tabus gebrochen werden, je mehr Grenzen ausgeweitet werden, desto mehr Geld wird sie verdienen. Und das bringt uns alle in Teufels Küche. Nicht nur Leserinnen unter achtzehn. Auch uns Autoren. Denn die Sucht, die wir bei den Lesern erzeugen, die steigt mit unserer Gier und verleitet viele, mich eingeschlossen, zu ungesunden Entscheidungen. Und deswegen müssen wir über Sucht reden. Und zwar über die Sucht nach Gefühl.


Süchtig nach Gefühl. 

Die Frage ist, warum Verlage und Autorinnen es in einer Welt mit #Metoo riskieren, Bücher zu veröffentlichen, die eindeutig Frauen in ihren eigenen Romanen auf die Ersatzbank setzten und den Fokus auf die viel interessanteren Männer richten, dabei diese Männer übergriffig, sexistisch und egoistisch zeichnen, wohlwissend, dass das eventuelle einen Shitstorm verursachen könnte, wenn mal jemand darauf aufmerksam wird.

Die Antwort ist ganz einfach: Verlage und Autorinnen haben nichts zu befürchten, weil ihre Konsumenten süchtig sind. Die Bücher, die sie produzieren, sind auf einander feinabgestimmte Mechanismen, die den maximalen Output von Endorphinen im Gehirn garantieren und Leserinnen an das Genre binden. Sexy Mann mit Geld, Überdramatisierung von normalen Ereignissen, Tabubruch, emotionale Achterbahnfahrten, Cliffhanger, externe Konflikte, die kein normaler Mensch bewältigen kann. Die Leserinnen werden, ohne Zeit zur Reflexion, von einer absurden Situation in die nächste gehetzt.

Charakterentwicklungen werden durch externe unerwartete Konflikte unnötig, schwierige Entscheidungen müssen wie aus dem nichts getroffen werden, Liebesromane entwickeln sich zu emotionalen Actionfilmen, doch anstatt dass eine Autoverfolgungsjagd mit Explosion stattfindet, wird Betrogen, vergewaltigt, geschwängert, verlassen, belogen, entjungfert, bedrängt, überfallen, hintergangen und geopfert. Und das alles im ersten Drittel des Romans.

Wer nach so einer Lektüre aus dem Haus geht, der langweilt sich in der Welt. Denn unsere Welt ist kein moderner Liebesroman mehr. Nicht so wie früher, wo sich die Literatur mit der Bewältigung der Realität abmühte. Und nun kommen wir zu dem, was ich anfangs angesprochen habe. Wir reden über Emotionen, die uns manipulieren.

Im direkten Vergleich mit Genreliteratur, Computerspielen, Filmen und Pornos, wird unser Leben nach und nach fade und schal. Echte empfundene Gefühle fühlen sich plötzlich weniger intensiv und nicht richtig an an. Wahre Liebe verblasst, das Zusammensein mit anderen wird langweilig, alles, was nicht Lesen ist, ist plötzlich eine Last. Statt in die Welt zu gehen und das eigene Glück, und mit ihm ihr Unglück zu suchen und zu finden, und so wahrhaftig zu leben, bekommen Leserinnen die Emotionen, die sie wollen, viel schneller und mit regelmäßigem Abstand auf das Sofa geliefert. Das Gehirn und der Körper wird abhängig gemacht von dem Hormoncocktails, den Genrebücher ausschütten und man kann nicht anders, als immer das Gleiche zu lesen, um immer das Gleiche zu spüren, weil man es spüren muss. Doch jedes Mal fühlt es sich weniger intensiv an, als das erste Mal, und man muss radikaler in der Lektüre werden, um den Kick erneut zu erleben. Wie bei jeder Sucht halt.

Autoren und Verlage, die das wissen, gehen deswegen Abkürzungen, um die Leser schon gleich im ersten Drittel mit den Emotionen, die sie wollen, zu versorgen. Instant-Love bei Protagonisten ist kein Versehen unfähiger Autoren, sondern Kalkül. Die Leserinnen wollen das Prickeln auf der Stelle, von Seite eins schon, keiner ist es mehr gewohnt bis zum letzten Drittel durchzuhalten oder sogar mehrere Romane abzuwarten, bis die Protagonisten zum ersten Mal zu einander finden. Der schnelle emotionale Kick ist das Einzige, was mittlerweile zählt. Typische Methoden, um das zu gewährleisten sind folgende:

Der Mann macht die größte Wandlung im Roman durch, die Protagonisten treffen bereits in der ersten oder zweiten Szene aufeinander. Sex ist das erste, was den Figuren in den Sinn kommt, wenn sie sich sehen, selbst wenn man sich schrecklich unsympathisch ist. Man bekommt nichts von der Alltagsbewältigung und anderen Figuren im Buch mit, Gedanken drehen sich in einem Karussell ständig die andere Person -also um den Mann. Es kommt bereits im ersten Drittel der Buches zum sexuellen Akt, dass Drama, was danach kommt, drängt sich von außen zwischen das Paar.

Wie crazy Ex-Bosse oder eine dazukommende Vampirgang. So etwas halt. Fetische verdrängen die Romantik. Oft wird das widerwillige Gegenüber entführt. Was früher für eine gesunde Beziehung undenkbar war, wie Fremdgehen und Gewalt, ist nun Standard. Tabus dominieren den Markt. Inzest und düsterere Geheimnisse versuchen die Spannung zwischen charakterarmen Figuren aufrecht zu erhalten. Da es an internen Konflikten mangelt, ist man darauf angewiesen, der Leserinnen aufgebauschte Unterwelt Dramatik zu präsentieren. Früher, da ging es noch darum, eine Liebesgeschichte zu erzählen, durch die Leserinnen Liebe, Leid und Leben mitempfinden konnten, um darüber zu sinnieren. Heute geht es darum, ein Klischee zu erzählen, dass Leserinnen lieben und für das sie immer wieder Geld ausgeben würden. Die Schöne und das Biest ist das beste Beispiel dafür.

Natürlich kann man behaupten, dass Weltliteratur auch Methoden hat, um den Leser zu manipulieren, und das ist richtig, aber: Thomas Mann oder Kafka machen nicht süchtig. Manchmal ist es eine regelrechte Qual, Klassiker zu lesen. Das liegt daran, dass in solchen Büchern auch Emotionen verflochten sind, an denen wir kein Interesse haben. Intellektualität, Gier, Ideologische Zerrissenheit, Schuld, Drama, Angst, Freundschaft, Engstirnigkeit und Familie. Epische Literatur unternimmt den Versuch das Menschsein zu ergründen und Erfahrungen der Vorfahren für die Nachfahren erfahrbar zu machen. Klassiker machen nicht süchtig, weil sie Stimmungsleerläufe haben, bestimmtes Alter oder Reife vom Leser abverlangen, die Durchhaltevermögen und Bereitschaft haben, sich in Dinge reinzulesen, die sich nicht auf den ersten Blick offenbaren. Es kann sehr frustrierend sein, wenn man etwas liest, was man nicht sofort versteht, besonders, wenn man es gewohnt ist, Geschichten zu lesen, die tendenziell Leser unterfordern, statt sie zu überfordern.

Genreliteratur, die so heißen wie die Emotion, die sie vermitteln wollen, Horror, Thriller, Komödie, Liebe, fokussieren sich meist auf ein Gefühl und da die Kulturindustrie sich bewusst ist, dass Gefühle süchtig machen, drehen sie an dem Emotionsschalter so stark wie möglich, um so viel wie möglich zu verdienen. Es geht gar nicht mehr darum, an Literatur zu wachsen, oder durch andere Vermittelt etwas zu erfahren oder zu lernen, es geht jetzt darum durch eine andere Person bestimmte Gefühle zu erspüren. Und je weniger die Protagonistin dabei einem im Weg steht, desto besser.

 

Folgen: der schale Geschmack der Realität:

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir Geschichten konsumieren? Habt Ihr euch das schon einmal gefragt? Worte oder Bilder simulieren eine Realität, diese Realität wird von unserem Nervensystem verarbeitet. Je nach Glaubwürdigkeit und Intensität der Erzählung, reagiert unser Gehirn darauf mit Gefühlen, diese Gefühle entstehen durch Hormonausschüttungen. Endorphine, Dopamin solche Sachen. Hormone, die süchtig machen. Das Gemeine ist ja, dass man diese süchtigmachenden Hormone ohne was zu tun, sich selbst verabreichen kann. Man muss dafür kein Sport treiben und an seine Grenzen gehen, Lotto spielen oder seine To-Do-Liste abhacken. Um an die Gefühlsdrogen zu kommen, muss man lediglich ein Buch lesen. Bücher versorgen uns mit Glück. Und deshalb sollten wir über ein paar andere Phänomen der Moderne sprechen und die Folgen. Reden wir doch mal über Pornos.

Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen, die Pornos Konsumieren am echten Sex, nicht den gleichen Spaß empfinden, wie Leute die das nicht tun. Das Gehirn kann ja zwischen der Stimulation nicht unterscheiden, und reagiert lediglich auf Stimulation. Doch echter Sex kann enttäuschend sein, weil er kompliziert ist, körperlich anstrengend und sich total anders anfüllt. Ähnliche Studien zeigen auch, dass Frauen bei Selbstbefriedigung mehr Lust verspüren als mit dem Partner. Und das gleiche kann für Konsumentinnen von Liebesromanen gelten. Sie verspüren das Verliebtsein bei Büchern anders, intensiver als in ihrem echten Leben. Das liegt mit unter darin, dass normale Männer ihnen keine Autos kaufen, sie nicht überwältigt von Lust an die Wand drücken, und sie auch nicht Stundenlang bis zur Besinnungslosigkeit vögeln. Echte Menschen sind nun mal keine Fantasien. Und enttäuschen damit. Was schade ist, denn die im Vergleich zu Büchern gemachte Erfahrungen sind immerhin echte Erfahrungen.

Woran merkt man, dass man süchtig ist nach simulierten Emotionen? Man merkt es, wenn man sich nach erfundenen Welten sehnt und es kaum abwarten kann, dass Feierabend ist, damit man sich in sie verziehen kann. Das heißt, man empfindet alles außerhalb vom Lesen, als eine Bürde und Zumutung. Man merkt es auch daran, dass jene Emotionen, die wir in Büchern verspüren, immer stärker sind als jene, die wir in der echten Welt verspüren. Drittens, man langweilt sich mit seinen Freunden und Familie und wünscht sich mehr in das andere Leben und zu den erfundene Figuren. Viertens, nach dem Konsum, will man mehr konsumieren, statt im echten Leben tätig zu werden.


Zusammenfassung: 

Sollte man also keine Genreromane lesen? Ist das die Antwort? Nein, natürlich nicht, bitte lest Liebesromane, ich lebe davon, hört bloß nicht auf. Nein, man sollte sich nur bewusster machen, was solche Bücher hormonell mit einem anstellen und dass Verlage und Autoren das wissen und ausnutzen.

Gute Geschichten sind wie gutes Essen. Sie haben eine breite Emotionspalette. Wie ausgewogene Ernährung, die nicht nur Zucker oder Fett enthält, sondern auch Eiweiß, Ballaststoffe und Vitamine. Die Mischung und die Verteilung macht es. Wenn man nur Zucker zusammen mit Fett als Geschmacksverstärkung konsumiert, ist man nach 5 Minuten wieder hungrig. Das ist nicht nährreich. Es macht nur süchtig. Konsumiert man jedoch gutes Essen, dann hält das über Stunden satt. Von manchen Serien und Büchern ernähre ich mich Wochen, manchmal Monate. Ich denke lange danach noch über Figuren nach, erinnere mich an ihre Konflikte, lerne aus ihren Fehlern, spüre den Widerhall der Geschichte in meinem innersten und möchte Kunst machen, mich ausdrücken, ähnliches erleben. Gute Bücher und Serien will ich nicht ersetzen, weil ich noch voll von der Geschichte bin und satt. Ganz anders bei den Zuckerguss-Fettgeschichten. Sobald ich eine fertig habe, ersetze ich sie mit einer ähnlichen Geschichte und dann mit einer noch ähnlicheren, bis diese Geschichten zu einem Wirrwarr verschmelzen und meine Gedanken verkleben. Besonders gute Geschichten, und das macht Klassiker aus, kann man eben nicht mit ähnlichen Geschichten ersetzen, weil sie einen Alleinstellungsmerkmal haben. Sie sind einzigartig und in dem Bewusstsein suche ich auch keinen Ersatz.

Das war eine lange Ausführung, ich weiß, dabei wollte ich nur sagen, dass Geschichten, die sich ähneln und die man durch andere ersetzen kann, Fastfood sind, das einen abhängig macht von der Emotion, die dort produziert wird. Sie sind absichtlich so geschrieben und sollen uns auf dem Sofa halten. Der Schreckliche Nebeneffekt ist die Überdosis der Emotion, die wir sie uns einflößen, weil diese Emotion das echte Leben schal, langweilig und weniger erlebbar macht. Unser Gehirn kann nicht so leicht zwischen dem Verliebtheitsgefühl aus dem Buch und dem Verliebtheitsgefühl im echten Leben unterscheiden. Deswegen weiß es auch nicht, dass das eine echter ist, als das andere und schüttet nur das an Hormonen aus, was der Reiz hergibt. Und so langweilen wir uns mit unseren Liebsten und in unserem Leben.

Also, Leute, wenn ihr das nächste Mal ein Buch in die Hand nehmt, werft doch mal einen Blick auf die Zusammensetzung. Wird da nur Leidenschaft, Liebe und heiße Stunden versprochen, dann ist das nur Zucker und Fett, was euch hungrig machen soll und euch unruhig zurücklassen wird. Lasst es liegen und holt euch eins, das euch Einsichten in andere Welten, viele unterschiedliche Gefühle und Erkenntnisse verspricht. Das inspiriert und hält länger satt.

  

So, ihr fragt euch sicher, was hat das alles damit zu tun hat, dass Männer die Hauptrolle in Liebesromanen spielen und die Protagonistinnen alle dümmer werden? Tja, die Antwort ist ganz einfach, wir Liebesromanleserinnen sind süchtig nach Männern und interessieren uns nicht für Frauen, und weil das so ist, geben uns Verlage und Selfpublisher genau das, was wir kleinen, versauten Sexistinnen wollen. Sie geben uns Zucker und lassen das Gemüse weg.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag und hoffe, wir hören uns das nächste Mal wieder, wenn ich über mein Lieblingsthema sprechen (abgesehen von Sexismus): Menschenopfer und Kannibalismus. Grüße an die Liebesfüße!

 

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